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Störungen aus dem Kabelnetz - Ursachen und Abhilfe



(Veröffentlichung honorarfrei - Belegexemplar erbeten.)

von Mathias Czaya - DC 5 AG

Es ist eine bekannte Tatsache, daß Störungen, die in das Kabelnetz gelangen, den Fernseh- und Rundfunkempfang störend beeinträchtigen können.
Aber auch Störungen aus dem Kabelnetz wirken sich recht störend aus. Als bekanntes Beispiel sei die Störung des Empfangs in Göttingen auf der zugewiesenen Ort Frequenz im 2m Band auf 145,750 MHz mit S 6 zu erwähnen, wo man die Tonfrequenz des MTV hören kann, da hier der Sonderkanal 9 im Kabel identisch mit dem 2m Amateurband ist.
Hier weiß die Post schon seit Jahren keine Abhilfe.

Noch schlimmer wird es, wenn auch das Kurzwellenband 4 - 30 MHz doppelt vergeben wird, da hier im Kabel die Rückrufkanäle für PAY-TV und andere Bestellungen per Fernseh-Fernbedienung liegen sollen.
Schon jetzt kann man reichlich Störungen des Empfangs auf Kurzwelle beobachten. Betroffen sind Kurzwellenhörer, Amateurfunker, CB-Funker und Scannerfreunde.
Leider sind Störungen des Empfangs bei CB-Funk nicht klagbar, obwohl man Gebühren zahlen muß.
Daher möchte ich Vorschläge machen, wie man die Störungen mindern oder vielleicht sogar beseitigen kann.

Verursacher sind Fernsehgeräte und Videorecorder, die an das Kabelnetz angeschlossen sind. Das Kabel selbst leitet die Störsignale bei geringer Eigendämpfung des 75 Ohm Kabels viele hundert Meter weit, es findet eine Verteilung innerhalb der Stammleitungen statt und beim Fehlen eines hauseigenen Verstärkers auch eine Verteilung über die Hausübergabepunkte in das unterirdisch verlegte Netz, welches dann wiederum in andere Häuser führt, um dort den Störnebel zu verbreiten.

Wenn einmal ein Störsignal in das Kabel gelangt, kann es auf natürlichem Wege nur dann geschwächt werden, wenn es durch die Kabeldämpfung bedingt sich totläuft und sich damit in Wärme verwandelt oder wenn es aus dem Kabel abgestrahlt wird.
Die Abstrahlung aus dem Kabel kann man prima messen, wenn man einen Scanner mit eingebautem S-Meter nimmt und sich in die unmittelbare Nähe des Kabels begibt. Dann kann man die Zunahme des S-Wertes schön beobachten. Leider strahlen auch die an die Fernseh/Rundfunkbuchsen angeschlossenen Kabel zum Fernseher/ Radio auch ab. Wenn man das Ausmaß der Störungen messen will, scheint es zweckmäßig zu sein, die Kabel von den Antennenbuchsen zu dem Fernseher/Radio vorübergehend zu entfernen.
Auch kann es sehr hilfreich sein, mit einem selektiven Voltmeter die Spannungen im Kurzwellenbereich <30MHz an der Radiobuchse zu messen.
Wenn wir uns überzeugt haben, daß der Störnebel rund um die Stammleitung in der Wand rund 3 - 5 Meter beträgt, so muß man wohl einige Maßnahmen treffen, um diesen Störnebel nicht in das CB-Funkgerät kommen zu lassen.

Als erstes nehmen wir uns die Antennenleitung zum gestörten Gerät vor. Läuft das Antennenkabel innerhalb des Störnebel, also weniger als 5m von der Stammleitung entfernt?
Gibt es vielleicht eine Balkonantenne innerhalb des Störbereiches?
Dann klemmt man die Balkonantenne ab und ersetzt sie durch einen Dummy Load. Ist dann immer noch ein Signal auf dem S-Meter zu sehen, ist eine unzureichend geschirmte Leitung zum Empfänger schuld. Hier geht man besser auf doppelt abgeschirmtes Antennenkabel vom Typ RG-58 bzw. RG-214.
Dann hat man schon einmal drei S-Stufen weniger Störung.

Die Balkonantenne kann man allerdings nicht abschirmen, wohl aber das die Störung verursachende Fernseh-Kabel.
Wir probieren daher die Abschirmwirkung einer Rolle Alufolie aus. Dazu nimmt man sich einen Bahn Alufolie ähnlich wie beim Tapezieren und heftet es an die Wand, wo die Stammleitung nach oben verläuft. Die zum Fernseher/Radio führenden Leitungen sind immer noch abgeklemmt. Sollte der S-Wert merklich herunter gehen, sind wir auf der richtigen Spur.
Der dritte Test geht von der einfachen aber wirkungsvollen Überlegung aus, daß man dem Störsignal nur einen 75 Ohm Verbraucher anbieten muß, um es in Wärme zu verwandeln. Wir nahmen daher einen Fernseh- und einen Radiostecker und löten/schrauben einen 75 Ohm Widerstand mit kurzen Drahtenden ein.
Diese Endstecker kommen in die Anschlußdose anstelle der Fernseh/Rundfunkleitungen. Sollte auch hier des S-Wert des Störnebels merklich heruntergehen, haben wir gewonnen.

Das einzige Problem hierbei ist der Wunsch, daß der Fernseher bzw. das Radio wieder angeschlossen werden muß. Der 75 Ohm Endstecker kann daher nicht ewig drin bleiben. Daher habe ich mir ein neues Filter ausgedacht, mit der Eigenschaft, daß es Rundfunk- und Fernsehsignale ungehindert passieren läßt und gleichzeitig alle überflüssigen Störleistungen unter 35 MHz in Wärme umwandelt. Ein solches Filter kann daher dauerhaft angeschlossen bleiben. Außerdem verfügt es über die bemerkenswerte Eigenschaft, Störsignale um den Faktor 10000 (zehntausend) abzusenken, es kann daher auch mit größten Störsignalen fertig werden, wie sie z.B.: in der Nähe von starken Amateurfunksendern entstehen und in das Kabelnetz einstrahlen. Man gewinnt daher zusätzlich die Sicherheit, daß der eigene Fernseher oder das eigene Radio nicht gestört werden kann.

Auch kann man es bei den Nachbarn anschließen, wenn die Nachbarn Störungen haben oder Störungen demnächst (wegen höherer Sendeleistung) zu befürchten sind. Da dieses Filter einzigartig ist und nicht von der Industrie gebaut wird, kann man gegen eine geringe Schutzgebühr einen Schaltplan sowie weitere Dokumentationen dazu beim Bundesverband erwerben:

Bundesgeschäftsstelle DFA e.V.
Am Schönental 1
66113 Saarbrücken
Stichwort: Split-Load Filter 75 Ohm

Da es für Laien kaum eine Möglichkeit gibt, Störspannungen auf Kabelnetzen zu messen, habe ich in das Filter einen Breitbanddemodulator mit Meßverstärker eingebaut, damit man mit Hilfe eines normalen DC-Voltmeters bzw. eines S-Meters die Höhe eines Störsignals im Millivolt ausdrücken kann.
Dieser Meßverstärker ist eichfähig. Auch kann man für extreme Messungen im Mikrovoltbereich einen HF-Breitband-Vorverstärker in 75 Ohm Technik dazu schalten.

Man kann hier auch einem interessanten Phänomen auf die Spur kommen. Wenn man selbst ein Funkgerät im Kurzwellenbereich betreibt, kann man die Einstrahlung in das Kabelnetz quantitativ messen und so z.B. TVI/BCI vorbeugen, da man aus der Höhe der induzierten Spannung (auf der Sendefrequenz) den möglichen Grad an TVI/BCI abschätzen kann. Dann erübrigt es sich meistens, in der Nachbarschaft nach Fernsehstörungen zu fragen. Auch kann man undichte Fernsehkabel vermuten und orten, wenn die gemessene Störspannung bereits bei geringer Sendeleistung ungewöhnliche hohe Werte aufweist.
Häufig anzutreffen sind hier Kabel, die ein geringeres Schirmungsmaß als die erforderlichen >70dB haben.

So sind in den letzten Jahren immer wieder Anschlußkabel von der Wandsteckdose zu den Fernsehgeräten und Videorecordern mit geringer Abschirmqualität aufgefallen, die - einem Uralt-Standard folgend - einfach statt doppelt abgeschirmt sind und das zu geringe Schirmungsmaß von 50dB aufweisen. Diese undichten Kabel fangen z.B. liebend gern CB-Signale ein und verteilen sie im Kabelnetz, womit der Ausbreitungsweg zum gestörten Fernsehgerät erklärt ist. Dieser Ausbreitungsweg muß aber im Einzelfall nachgewiesen werden, z.B. durch Austausch gegen ein doppelt abgeschirmtes Kabel. Auch strahlen einfach abgeschirmte Fernsehkabel einen großen Teil der Störstrahlung, die ein Fernseher produziert, liebend gerne ab, sodaß die Nutzsignale auf einem Scanner oder einem CB-Funkgerät mit einem Rausch-und Brummteppich zugedeckt werden.

Enttarnen Sie elektronische Umweltverschmutzer:
Wenn Sie die Anschaffung eines Fernsehgerätes/Videorecorders etc. planen, nehmen Sie einfach das Split-Load Filter mit und schließen es mit einem Kabel an die Antennenbuchse der zu prüfenden Fernsehgeräte an. Der Eingang des Filters zeigt zur Antennenbuchse, also verkehrt herum! Aus der Größe der gemessenen Störspannung können Sie Rückschlüsse über die Qualität des Fernsehgerätes ziehen. Sie wissen dann, was Sie sich ins Haus holen und bleiben von "Montagsgeräten" und ähnlichem verschont.
Bedenken Sie bitte, ein einmal erworbenes Fernsehgerät soll möglichst viele Jahre in Ihrem Haushalt laufen und wenn es das falsche Gerät ist, wird es viele Jahre Ihrem Empfang im Kurzwellenbereich stören. Der Leidtragende sind Sie.
Denken Sie bitte daran, daß auch Ihre Nachbarn und Funkkollegen gelegentlich Fernseher kaufen. Hier könnten Sie aufklärend tätig werden.
Leider erfährt man aus den Verkaufsprospekten über dieses Thema nichts.
Einen gewissen Einfluß hat die Kabelführung. Von der Antennenbuchse des Fernsehers geht im Normalfall das Kabel senkrecht herab bis zum Fußboden und geht im rechten Winkel weiter. Legt man das Antennenkabel in Höhe der Rückwand des Fernsehers parallel, in der Nähe des Hochspannungstrafos, hat die Anordnung eine deutlich höhere Störspannung zur Folge.

Mathias Czaya
0551- 79 66 67
geschrieben im Februar 1998

Veröffentlichung honorarfrei - Belegexemplar erbeten

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